Die Dohle - Vogel des Jahres 2012

Die Dohle gehört zu den Rabenvögeln. Sie ist ungefähr so groß wie eine Taube, hat ein schwarzes Gefieder, schwarze Füße und einen schwarzen Schnabel. Am Bauch und am Hinterkopf trägt sie etwas hellere, graue Federn. Ihre Augen sind auffällig hell und schimmern blau bis weiß.

Wenn ihr Aussehen auch größtenteils unscheinbar sein mag, so ist die Dohle doch ein außergewöhnlicher Vogel. Was ihn so besonders macht, erfahrt ihr hier. Intelligent und treu - die besonderen Merkmale der Dohlen

Dohlen sind treu. Schon in ihrem ersten Lebensjahr suchen sie sich ihren Partner, mit dem sie das ganze Leben lang zusammen bleiben.

Dohlen sind gesellig. Sie leben in Kolonien zusammen, in denen alle Vögel füreinander sorgen. Gemeinsam suchen sie nach Futter und nach geeigneten Nistplätzen. Einer Kolonie können mehr als hundert Vögel angehören. Wenn ein Mitglied krank oder verletzt ist, dann wird es von den anderen versorgt. Auch die Jungvögel werden nicht nur von den eigenen Eltern betreut, sondern auch von anderen Altvögeln. Jedes Vogelpaar der Kolonie hat einen bestimmten Rang - so funktioniert das Zusammenleben gut.

Dohlen sind intelligent und gute Stimmen-Imitatoren. Das heißt, dass sie Stimmen anderer Vogelarten nachahmen können. Im Laufe ihres Lebens lernt die Dohle immer wieder neue Töne hinzu. Sie nutzt sie, um zum Beispiel ihre Feinde zu täuschen. Besonders begabte Dohlen schaffen es sogar, ihre Artgenossen hereinzulegen.

Dohlen sind Flugkünstler. Wenn Dohlen fliegen, dann nutzen sie aufsteigende, warme Winde geschickt aus, um mit ihnen in die Höhe zu steigen. Auch klettern kann die Dohle gut: Wenn sie sich mit Krallen und Schnabel festhält, kann sie sogar senkrechte Mauern hochklettern.

Wo leben Dohlen und warum sind sie gefährdet?

Dohlen sind in Städten und Dörfern zu Hause, aber auch im Wald und dort, wo es Felsen gibt. Sie sind Höhlenbrüter und nisten in hohlen Bäumen, Felsnischen, aber auch in Kirchtürmen, Kaminen und Mauerschächten. Zur Nahrungssuche fliegen sie in offenes Gelände, also zum Beispiel auf Wiesen und Äcker. Dort suchen sie nach Insekten, Würmern, Schnecken, Käfern oder auch nach Mäusen und Fröschen.

In Deutschland gibt es rund 100.000 Brutpaare. Das ist eigentlich eine ganze Menge. Trotzdem stehen die Dohlen in manchen Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Das liegt daran, dass in den letzten Jahren immer weniger Dohlen gezählt wurden. Der Grund dafür ist, dass ihnen die Nistplätze fehlen. Alte Gebäude wurden renoviert und dabei Kamine und Mauernischen geschlossen. Viele Einfluglöcher in Kirchtürmen wurden vergittert. Und im Wald sind alte, morsche Bäume, in denen es Baumhöhlen gibt, selten geworden. So finden die Dohlen immer weniger Plätze, in denen sie nisten können. Der Nachwuchs bleibt aus.

Vogel des Jahres

Gartenrotschwanz Vogel des Jahres 2011

Aussehen

Die weiße Stirn und die rötliche Brust unterscheiden ihn vom Hausrotschwanz.

Das Männchen ist auffallend kontrastreich gefärbt: Gesichtsfeld und Kehle sind schwarz, die Stirn und ein nach hinten reichender Überaugenstreif hingegen reinweiß. Oberkopf, Nacken und Rücken sind grau. Die Brustpartie ist lebhaft rostrot gefärbt, zum weißlichen Unterbauch hin läuft sie durch breiter werdende helle Federsäume aus. Besonders markant ist der ziegelrote Schwanz.

Das Weibchen ist unscheinbarer gefärbt. Die Oberseite ist bräunlich und geht fließend in die rostroten Oberschwanzdecken über, der Schwanz ist wie beim Männchen rostrot. Die Unterseite ist heller beige mit einer orange überhauchten Brust, die sich deutlich von dunkleren Kinn und den Halsseiten absetzt.

Stimme

Die Einleitung des männlichen Gesangs ist wenig variabel, flötend melodisch und etwas in die Höhe gezogen, manchmal auch gebunden zweisilbig. Also etwa hüit oder tü-li. Darauf folgt ein Teil aus kurzen, etwa zwei bis viermal wiederholten zum Teil kratzigeren und variationsreichen Silben. Der Lockruf ähnelt dem des Hausrotschwanzes ist aber flötender und somit dem des Fitis ähnlich.

Verbreitung

Mehr als die Hälfte des Brutareals des Gartenrotschwanzes liegt in Europa. Es erstreckt sich von Portugal und Spanien bis hoch in den Norden Norwegens und über die Türkei bis in den Kaukasus und hin zum Baikalsee. In Mitteleuropa bilden Deutschland und Frankreich Verbreitungsschwerpunkte. Den Winter verbringt er südlich der Sahara in Afrika.

Lebensraum

Der Gartenrotschwanz ist als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter stark an alten Baumbestand gebunden und besiedelt primär lichte und trockene Laubwälder, Lichtungen oder Waldränder. Häufig ist er auch in Siedlungsnähe anzutreffen, so in Parkanlagen mit lockerem Baumbestand, stark begrünten Villenvierteln oder Gartenstädten, Dorfrändern und Obstgärten.





Nahrung

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen. Einen großen Anteil machen Haut- und Zweiflügler sowie Käfer aus. Bei den Hautflüglern dominieren Ameisen, Schlupf- und Blattwespen. Wehrhafte Insekten wie Bienen und Wespen werden weitgehend gemieden. Schmetterlinge spielen vor allem als Nestlingsnahrung eine Rolle.

Verhalten

Der Gartenrotschwanz sitzt meist auf niedrigeren Ansitzwarten, Ästen oder kleineren Büschen und zittert dabei auffallend mit dem Schwanz. Zur Nahrungssuche fliegt er kurz auf den Boden oder fängt Insekten während eines kurzen Fluges in der Luft.

Fortpflanzung

Das Nest wird ab Ende April in Baumhöhlen, Fels- oder Mauerlöchern, Mauersimsen, Nistkästen und manchmal in alten Schwalbennestern eingerichtet. Dabei befindet sich die Höhle in zwei bis fünf Metern Höhe. Dort baut das Weibchen ein lockeres Nest, in das sie Anfang bis Mitte Mai sechs bis sieben Eier legt. 13 bis 14 Tage lang werden sie bebrütet. Dann schlüpfen die Jungen. Nach 12 bis 14 Tagen fliegen die Jungvögel aus und werden noch circa eine Woche von den Eltern gefüttert.

Bestandssituation

Die Bestände des Gartenrotschwanzes sind trotz vereinzelter regionaler Erholungen spätestens seit Beginn der 1980er Jahre stark rückläufig. Als Hauptursachen dafür werden neben Lebensraumzerstörungen in den Brutgebieten vor allem tiefgreifende Veränderungen in den afrikanischen Überwinterungsgebieten, wie verstärkter Pestizid- bzw. Insektizideinsatz oder die folgenschwere Ausdehnung der Sahel-Zone angenommen.

Vogel des Jahres

2010: Der Komoran

NAME
Der Name „Kormoran“ entstammt einem Kunstwort, dem die lateinische Bezeichnung „Corvus marinus“ zugrunde liegt – zu Deutsch der „Meerrabe“. Er hat Eingang in fast alle Sprachen gefunden, zum Teil mit dem Adjektiv „Großer“, um ihn von der kleineren
Krähenscharbe zu unterscheiden. Der wissenschaftliche Name Phalacrocorax ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Kahlköpfiger Rabe“. Der Artname carbo (lateinisch: „Kohle“) ist eine Anspielung auf seine Gefiederfarbe.

VERWANDTSCHAFT
Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßer wie auch Pelikane und Basstölpel. Gemeinsam ist ihnen eine Schwimmhaut an den Füßen, die alle vier Zehen – also auch die Hinterzehe – mit einschließt. Damit kann er hervorragend schwimmen und tauchen.
Zur Familie der Phalacrocoracidae („Kormorane“) zählen weltweit rund 40 Arten. In Europa sind es neben dem Kormoran noch zwei weitere: Die etwas kleinere Krähenscharbe, die entlang der Küsten vom östlichen Mittelmeer bis Island vorkommt, sowie die Zwergscharbe,
die vor allem küstennahe Regionen vom Kaspischen Meer bis zum östlichen Mittelmeer besiedelt, aber auch einige Standorte an der unteren Donau in Ungarn und in Österreich.

AUSSEHEN
Der Kormoran ist etwa 80 bis 100 cm groß und wiegt zwischen 1.700 und 3.000 Gramm. Die Weibchen sind etwas kleiner als die Männchen. Der Hals ist lang und kräftig, der Kopf etwas keilförmig. Am Ende des geraden Schnabels befindet sich eine Hakenspitze.
Das Gefieder des Kormorans ist überwiegend schwarz und glänzt metallisch. Jungvögel sind an ihrem braunen Gefieder zu erkennen. Im Jugendkleid besitzen die Vögel auch weiße Partien, besonders auf der Unterseite.

STIMME
Meist verhalten sich Kormorane ruhig. Nur an Brut- und Schlafplätzen geben die Vögel unterschiedliche Laute von sich. Ihre Rufe klingen dabei kehlig und krächzend, zum Beispiel „chroho-chrohochro- ho“. Weibchen rufen auch ein hohes „Flii-flii-flii“.

NAHRUNG
Kormorane fressen fast ausschließlich Fische und tauchen oft gemeinsam nach Nahrung. Sie fangen bevorzugt Fische von 10 bis 20 cm Länge. Nur ausnahmsweise werden auch andere, kleinere Wirbeltiere erbeutet, am Meer gelegentlich auch Krabben und Garnelen.



FORTPFLANZUNG
Kormorane sind Koloniebrüter, die meist auf höheren Bäumen brüten, häufig zusammen mit Graureihern. Sie legen 3 bis 4 Eier, die von den Partnern gemeinsam bebrütet werden. Nach 23 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Ihre Nestlingszeit beträgt 6 bis 7 Wochen. Erst im Alter von zwei Monaten sind sie voll flugfähig.



LEBENSRAUM UND VERBREITUNG
Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause. In Europa sind zwei Rassen heimisch. Phalacrocorax carbo carbo lebt an den felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Ph.c.sinensis – die „Festlandsrasse“ – brütet vorwiegend auf Bäumen und
hat zwei Verbreitungsschwerpunkte: ein Gebiet von den Niederlanden über Norddeutschland bis ins Baltikum sowie Teile Südosteuropas und des Donauraums. Immer häufiger ist die Art auch im dazwischen gelegenen Binnenland anzutreffen. In Deutschland besiedelt der Kormoran Flüsse und Seen des Binnenlandes sowie die Küsten an Nord- und Ostsee.

WANDERUNGEN
Je nach Brutort sind Kormorane Teilzieher oder Zugvögel. Die Ostseepopulation zieht über Land und überwintert von Süddeutschland bis Nordafrika. Jungvögel zerstreuen sich schon im Juni und Juli in der weiteren Umgebung. Altvögel verlassen die Brutgebiete im Oktober und November und ziehen von Ende Januar bis März wieder zurück.

GEFÄHRDUNG
Intensive Verfolgungen durch den Menschen bringen den Kormoran erneut in Gefahr: Die Maßnahmen reichen vom Fällen der Horstbäume über die Zerstörung von Nestern und Eiern bis zur Vertreibung (Vergrämung) und Tötung durch Abschuss am Brutplatz sowie in Rast- und Überwinterungsgebieten.

Vogel des Jahres

2009: Der Eisvogel

Schillernder Juwel

Der schillernde Eisvogel ist der Vogel des Jahres 2009. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kürte das spatzengroße Tier mit dem farbenprächtigen Gefieder in Berlin nach mehr als 30 Jahren zum zweiten Mal. Die Forderungen von 1973, als der "fliegende Edelstein" mit dem stahlblauen Rücken das erste Mal Jahresvogel war, seien noch immer aktuell, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Der Eisvogel (Alcedo atthis) brauche sauberes Wasser, naturnahe Bäche, unverbaute Flüsse und Seen sowie artenreiche Talauen. "Diese Lebensräume sind in Deutschland trotz mancher Fortschritte im Gewässerschutz immer noch Mangelware", sagte Opitz.

Nirgendwo komme der Eisvogel in Deutschland häufig vor, erläuterte der Naturschutzbund. Deutschlandweit gebe es noch 5600 bis 8000 Brutpaare. Mit der Wiederwahl des Vogels solle neuer Schwung in die Debatte um den Gewässerschutz gebracht werden, betonte Opitz. "Wollen wir dem Eisvogel dauerhaft eine Heimat bieten, brauchen wir lebendige Flüsse."

Der Eisvogel ist auch der Wappenvogel des bayerischen Landesbundes für Vogelschutz, der 2009 sein 100-jähriges Bestehen begeht. Dessen Vorsitzender Ludwig Sothmann warnte, in Bayern gebe es angesichts der Goldgräberstimmung bei regenerativen Energien Pläne, die Wasserkraft an schnell fließenden Bächen auszubauen. Damit würden die Lebensräume des Eisvogels beeinträchtigt.

Fische und Steilwände

Der Eisvogel, der im Flug und Sitzen mit einem flirrenden Farbenspiel fasziniert, ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen. Für seine Brutröhren braucht er natürliche Steilwände. Woher der Eisvogel seinen Namen hat, ist strittig. Einige Deutungen gehen vom althochdeutschen Begriff "eisan" für schillern oder glänzen aus. Andere Autoren interpretieren den Eisvogel als "Eisenvogel" wegen seines rostfarbenen Bauchgefieders.

In den 70er Jahren waren die Brutstätten des Eisvogels durch Wasserverschmutzung, Ausbau von Flüssen und Störungen durch Touristen stark zurückgegangen, wie der NABU weiter mitteilte. Viele Gewässer seien heute zwar erheblich sauberer und der Abwärtstrend des Eisvogels gestoppt, doch der Bestand habe sich nur auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Bedarf an naturnahen Flüssen

Wo Bäche und Flüsse in ein Korsett aus Stein und Beton gezwängt wurden und Wehre wandernden Fischen den Weg versperren, finde der Eisvogel weder genügend Nahrung noch ausreichend Brutmöglichkeiten, sagte Naturschützer Opitz. Das Umweltbundesamt stufe derzeit nur zehn Prozent der Fließgewässer in Deutschland als naturnah ein.

"Eine Gewässerpolitik für naturnahe Flüsse, die dem Eisvogel nützt, ist auch ein wirkungsvoller Hochwasserschutz", betonte Opitz. Randstreifen an Gewässern sowie Überschwemmungsgebiete müssten eingerichtet werden. Elbe, Donau und Oder dürften nicht weiter ausgebaut werden.

Vogel des Jahres

2008: Der Kuckuck

Der Kuckuck (Cuculus canorus) hat eine eigene Familie: die der Kuckucke (Cuculidae). Er gehört mit allen seinen Verwandten zur gesonderten Ordnung der Kuckucksartigen (Cuculi), die alle beim Sitzen zwei Zehen nach vorn und zwei nach hinten richten; bei den Eulen trafen wir auch diese eigenartige Anordnung der Zehen an.
Vom Kuckuck weiß jeder, daß er seine Brut nicht selbst aufzieht, sondern seine Eier in die Nester kleinerer Singvögel legt. Im Frühjahr, wenn wir das „Kuckuck" in größeren Parkanlagen, in Wäldern oder in der Nähe der Schilfgürtel unserer Seen erschallen hören, finden sich Männchen und Weibchen zusammen; es ist der Balzruf des Kuckuckmännchens. Wenn es sehr erregt ist, wandelt es seinen Ruf in „Kuckuckuck".
Die Kuckuckin sucht in Begleitung des Männchens Singvogelnester, zum Beispiel von Bachstelzen, und beobachtet das Pärchen beim Nestbau. Wenn das Gelege angefangen ist, nimmt sie ein Bachstelzenei mit dem Schnabel, entfernt es und legt dafür ihr eigenes Ei hinein. Beobachter berichten, daß das Männchen durch auffälliges Benehmen und Herumflattern die Aufmerksamkeit der Stelzeneltern auf sich lenkt, während die Kuckuckin ihre Eiablage erledigt. Sie wählen im allgemeinen wohl die Singvogelart, bei der sie selbst großgezogen wurden. Es gibt aber auch sogenannte vagabundierende Weibchen, die nicht bei einer Art bleiben. Sicher ist es für die Kuckuckin nicht ganz einfach, innerhalb der Frühlingszeit etwa 18 Eier in Singvogelnestern unterzubringen. Stets belegt sie jedes Nest nur mit einem einzigen Ei. Kuckuckseier sind im Verhältnis zu dem 100-g-Vogel sehr klein, sie wiegen nur 3 g und sind damit der Eigröße der viel kleineren Singvögel angepaßt; andere 100-g-Vögel, z.B. die Amseln, haben ein Ei von 8 g. Außerdem ist die Brutdauer des Kuckuckseies sehr kurz, nur 12 1/4 Tage; kürzer als die der meisten Singvögel, die etwa 13 bis 14 Tage bebrütet werden müssen.
Daher wird der junge Kuckuck vor oder mit seinen Stiefgeschwistern schlüpfen. Er besitzt für die nächsten 4 Tage eine erstaunliche Triebhandlung. Er buckelt sich alles auf, was im Nest liegt, und schiebt es über den Rand aus dem Nest, also alle noch vorhandenen Eier und schlüpfenden Jungen; schließlich ist .er nur noch allein im Nest. Es ist also nicht so, daß der wachsende Kuckuck infolge seiner Größe die Stiefgeschwister aus dem Nest drängt - eine Anschauung, die heute noch oft geäußert wird.
Der Schlüpfling ist blind, kahl und rosahäutig. Obgleich er kein Singvogel ist, hat die Natur ihn mit einem orangeroten Sperrachen mit weißen blanken Punkten an der hinten vierzipfligen Zunge ausgestattet, der den Füttertrieb der Stiefeltern höchst anregt, und in den sie mit großem Eifer allerhand Kerbtiere hineinstopfen. Nach einigen Tagen wird die Haut violett, und schließlich wachsen die Federn, die lange in ihren Hüllen bleiben und ihm ein stacheliges, igelartiges Aussehen verleihen. Das Kuckuckskind sitzt auffallend ruhig, sonst würde das nicht zu seiner Größe passende Nest auseinanderfallen. Zunächst bettelt es mit ,,sisisi"; nach 21 Tagen hüpft es heraus und sitzt futterheischend mit zwitschernden „Zri-sir-zri"-Rufen in der Nähe; seine gegen ihn winzigen Stiefeltern müssen ihm auf den Kopf fliegen oder vor seinem Schnabel rüttelnd fliegen, um ihm die Nahrung einzustopfen.
Wenn er selbständig ist, nimmt er große Raupen, oft auch behaarte Arten, die von anderen Tieren verschmäht werden. Die Brennhaare bleiben in seiner Magenschleimhaut ohne Schaden stecken; sie wird ab und zu erneuert. Auch große Käfer, Libellen und Heuschrecken fängt er. Noch in seinem braungrauen Jugendkleid fliegt der Kuckuck, allein und nur nachts wandernd, schon im August seiner Winterherberge zu, die sich vom äquatorialen Afrika bis zum Kapland erstreckt.
Dort mausert er in sein Alterskleid: Die Männchen werden oben schiefergrau, unten hell und schmaldunkel gebändert, die Weibchen oben rostrot; es gibt aber auch solche, die fast männchenfarbig sind; auch oben rostfarbene Männchen kommen zuweilen vor. Im April/Mai sind sie wieder bei uns.

Vogel des Jahres

Der Turmfalke

2007: Der Turmfalke

Merkmale:
Etwa taubengroß, spitze Flügel, langer Schwanz. Rücken des Männchens rotbraun,
gefleckt, Schwanz und Kopf grau, Rücken und Schwanz des Weibchens rostbraun gebändert.

Lebensweise : Teilzieher. Bei uns das ganze Jahr. Braucht zum jagen freie Flächen.
Rüttelt ausdauernd.

Hauptnahrung: Kleintiere, überwiegend am Boden: Mäuse, Spitzmäuse, Reptilien, selten kleine
Vögel (auch Nestplünderung) und selbst Fledermäuse und Insekten..

Lebensraum: Brütet an höheren Gebäuden, Kirchtürmen, Scheunen, auch an Waldrändern, in
Feldgehölzen (meist in alten Krähennestern) und an Felsen.

Vorkommen: Verbreitet, häufig.

Fortpflanzung: monogam, Halbhöhlen und Baumnester ohne Nistmaterial, 3/4 bis 6/7 gelbweiße Eier,
rötlich bis bräunlich gefleckt; nur das Weibchen brütet, wird aber vom Terzel gefüttert.
Dauer: 27–32 Tage ab ca. vorletztem Ei.

Vogel des Jahres

Der Kleiber

2006: Der Kleiber

Aussehen:
Wenn ein kleiner energischer Vogel mit blau-grauem Rücken und rostrotem Bauch in allen Positionen an Stämmen und Asten herumklettert, so kann es nur der Kleiber sein. Der kräftige schwarze Augenstreif gibt ihm etwas Banditenhaftes.
Stimme: Wenn sein Aussehen an Banditen erinnert, so seine Pfiffe an Gassenjungen, laute, nach oben gezogene huuiit Rufe, die auch in beschleunigten duit-duit-duit ..-Reihen gebracht werden. Darüber hinaus hört man ein rasches wiwiwiwiwiwi und ein durchdringendes piüpiüpiu bei Erregung ein lautes tuett-tuett-tuett.
Vorkommen: Der Kleiber ist eng an (Alt-)Baumbestände gebunden. Größere freie Flächen überfliegt er nicht einmal gern. Vor allem lichte Laub- und Mischwälder, Parks, Gärten und Alleen sind sein Habitat: dichte Nadelwälder meidet er im Allgemeinen. Kleiber sind recht orttreue Standvögel.
Lebensweise:
Mit feuchter Erde verengen (ver-kleiben) die Vögel den Eingang vorgefundener Höhlen auf Körpermaß und runden scharfe Kanten und Ecken im Innern gleich dazu. Als Unterlage für ihre Eier bevorzugen sie die rötlichen Rindenplättchen der Kiefer.
Brutverhalten: Wenn das Weibchen nach 2-3 Wochen mit dem Hausbau fertig ist ( der Mann vertreibt sich die Zeit mit Pfeifen),beginnt es 6-7 Eier zu legen, die mit ihrer rötlichen Fleckung auf weißen Grund die Verwandtschaft zu den Meisen verraten. Auch das Brüten über 15-19 Tage ist Frauensache. Erst beim füttern der Jungen nimmt der Mann am Familienleben teil. Nach 24 Tagen fliegen die jungen Kleiber aus.
Nahrung: Zur Brutzeit Insekten und Spinnen, ab Spätsommer die Samen von Laub- und Nadelbäumen. Das ganze Jahr über neigen Kleiber zur Vorratshaltung, sogar Fleischvorräte werden in Ritzen und Spalten angelegt und mit Flechten getarnt.